“LOST WORDS” von Chiharu Shiota in der Nikolaikirche Berlin

29.09.2017 bis 19.11.2017

Öffnungszeiten: tägl. 10-18 Uhr, Eintritt: 6 Euro

Ein dichtes Netz aus schwarzen Fäden spinnt sich zwischen den Pfeilern des Hauptschiffes der Nikolaikirche. Erstreckt sich vom Boden fast bis unter die Decke der Kirche. Das Gewebe öffnet sich in tunnelartige Gewölbe und lässt den Betrachter herantreten an die “Lost Words”: Unzählige Text-Blätter, von oben herab fallend, durch das Netz aufgefangen, gehalten und gleichzeitig miteinander verwoben, schweben über und neben den Köpfen der Betrachter im Raum. Die Texte in verschiedensten Sprachen sind Bibeltexte. Mit diesen nimmt die japanische Künstlerin Chiharu Shiota Bezug auf die “Verflochtenheit von Reformation und biblischer Botschaft”, wie es in der Broschüre zur Ausstellung zu lesen ist. Chiharu Shiota hat “LOST WORDS” speziell für die Nikolaikirche und das Projekt erschaffen. Damit wird der Abschluss des fünfjährigen “DEKALOG-Projektes” der Guardini Stiftung und der Stiftung St. Matthäus zum Reformationsjubiläum 2017 in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin zelebriert.

Chiharu Shiota wurde 1972 in Osaka geboren, lebt mittlerweile seit fast zwanzig Jahren in Berlin und ist in der Kunstwelt spätestens seit ihrer großen Installation “The Key in the Hand” im Japanischen Pavillon auf der Venedig Biennale 2015 ein Name. Auch in Venedig hatte die Künstlerin eine große Installation aus Netzen entworfen – dort aus blutroten Fäden – an denen hunderte von Schlüsseln hingen. Bei Blain Southern Berlin knüpfte Shiota letztes Jahr mit ihrer Installation “Uncertain Journey” visuell und thematisch an die Installation auf der Biennale an: Es sind die großen Menschheitsfragen – Geburt, Tod, Heimat, Erinnerung, Angst –  die Shiota in ihren Werken inspiriert durch ihr eigenes Leben anspricht. In der Nikolaikirche hat Shiota nun temporär einen Spannungs- und Denkraum geschaffen, in dem steinerne gotische Architektur des Protestantismus und filigrane, intuitionsgeleitete zeitgenössische Kunst in Dialog treten.