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Nina Ansari´s Œuvre ist vielschichtig und umfasst die Medien Fotografie, Film, Installation und Malerei.

Die 1981 in Teheran geborene Künstlerin thematisiert in ihren Arbeiten immer wieder autobiographische Erinnerungen, wie den Krieg und die Frage der Identitätszugehörigkeit. Durch ihren multikulturellen Hintergrund gelingt es ihr mittels der verschiedenen Medien eine visuelle Welt zum Leben zu erwecken, die sich in einem Wechselspiel zwischen Orient und Okzident offenbart.

Unter dem Titel „War, Bedeutungsträger, der Krieg“ schuf Ansari 2010 eine Fotoarbeit, die sie als Abschlussarbeit an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main präsentierte und die im Anschluss in Berlin, Hamburg, Ulm, Frankfurt sowie international in Kapstadt und Manila ausgestellt und im Jahr 2011 auch in Buchform veröffentlicht wurde.

Für die Entstehung der Fotografien von „War, Bedeutungsträger, der Krieg“ entwarf Ansari einen dunklen Raum, in dessen Wände sie zahlreiche Öffnungen schlitzte. Außerhalb des Raumes positionierte die Künstlerin zwölf Blitzgeräte, die mit ihrer Fotokamera verbunden waren. Eine Gruppe von Menschen wurde von Ansari angeleitet, sich in diesem dunklen Raum zu bewegen, während sie selbst durch ihre Kamera die Blitze auslöste und im jeweiligen Moment ein Bild schoss. Die Dunkelheit machte es für die Beteiligten unmöglich zu erahnen, wann und aus welcher Position die Künstlerin den Auslöser betätigen würde, so dass die Porträtierten einerseits ihrer eigenen und der körperlichen Präsenz der Künstlerin sowie dem Überraschungsmoment des unvermittelt aufleuchtenden Blitzes ausgeliefert waren. Für die Künstlerin bestand die besondere Herausforderung darin im Dunkeln die Kamera scharf zu stellen, auf die Personen zu zielen und so die Zufälligkeit des Lichteinfalls festzuhalten.

Die so entstandenen Fotoaufnahmen zeigen die Porträtierten, wie sie sich zum Teil unsicher durch den Raum bewegen, beinahe übereinander stolpern und sich in ihren Augen – die geweiteten Pupillen starren ins Leere – der Schreckmoment des plötzlichen Blitzlichtes widerspiegelt.

Durch das „Ausgeliefertsein“ und das mit der Kamera ausgeführte „Zielen“ auf die Menschen, rückt das Sehen, der Blick in den Vordergrund und in einen größeren Kontext gesetzt, entsteht eine Verknüpfung zum Thema „Krieg“. Denn die Unmittelbarkeit der in der Dunkelheit aufflammenden Lichtquellen, ist auch mit dem persönlichen Erfahrungsschatz der Künstlerin verbunden: Im Alter von vier Jahren wurde Nina Ansari Zeugin des Krieges im Iran, bevor sie mit ihrer Familie nach Deutschland übersiedelte. Eine der Erinnerungen an den Krieg ist für die Künstlerin mit den plötzlichen Lichtblitzen der Bomben verbunden.

Der Blick, das Sehen, Erinnerung und die Entstehung von Identität sind Themen, mit denen sich Nina Ansari auch in weiteren Arbeiten auseinandergesetzt hat. Im Jahr 2005 bereiste die Künstlerin zum ersten Mal seit ihrer Kindheit den Iran und besuchte viele ihrer Verwandten, die sie bis dahin nur von Fotoaufnahmen kannte. Diese Reise zog die Entstehung der Arbeit „Visual Iran“ nach sich, in der die Künstlerin eine Sammlung von Fotografien aus den Jahren 1938-1984 anlegte. In diesen Zeitraum fällt auch die Herrschaft des ersten Schahs, so dass die Bilder einen Eindruck des Landes vermitteln, der sich fundamental vom heutigen Bild des Iran unterscheidet.

Neben dem Aspekt, der die Geschichte des Landes reflektiert, werden anhand der in der Arbeit vereinten Fotoaufnahmen Fragen nach der Identität eines Menschen laut. Auf den Bildern sind Familienfeste wie Taufe, Geburtstage und Hochzeiten wiedergegeben – Augenblicke also, die unabhängig von den politischen Umwälzungen eines Landes existieren und die einem Menschen etwas über die eigenen Vorfahren und damit über die eigene Identität mitteilen.

Die Fotosammlung für Visual Iran endet mit einer Reihe verschwommener Aufnahmen, die der Kindheit der Künstlerin entstammen. Ähnlich wie bei „War, Bedeutungsträger, Der Krieg“ ist es der Blick, das Sehen, das sichtbar- bzw. unsichtbar machen, das die Künstlerin zum Ausdruck bringt und durch welches die Frage nach der „Wirklichkeitsentstehung“ verdeutlicht wird.

www.ninaansari.com.