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Kevin Kopacka (*1987) setzt sich in seiner Malerei und in seinen Videoarbeiten mit der Mystifizierung des Alltags und mit Elementen der Metaphysik auseinander. Ob figürlich oder abstrakt, haftet dem Dargestellten etwas Geheimnisvolles und Beunruhigendes an.

Der Weg zur Malerei verlief für den Künstler parallel zur Literatur. Zunächst verfolgte Kopacka das Ziel „Szenisches Schreiben“ zu studieren, bis er 2007 an der UDK Berlin mit dem Studium der Freien Kunst begann. Die erzählerische Dimension seiner literarischen Werke ist jedoch wesentlich für seine künstlerische Arbeit geblieben.

In seinen frühen Arbeiten setzte sich Kopacka vor allem mit dem Zustand seiner  Generation, den Kindern der 68er Bewegung auseinander, die sich durch die Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten der eigenen Zukunft überfordert fühlt. In einem fast zeichnerischen Stil werden meist einzelne Personen mit porträthaften Zügen dargestellt, die sich in einer Umwelt beispielhaft des Digitalen Zeitalters wiederfinden. Die Dargestellten vermitteln den Ausdruck des Verlorenseins, was durch Bildtitel wie “Everybody gets a little lost sometimes” oder “Missverständnis” noch deutlicher hervortritt.

Kopackas neuere Arbeiten kreisen um metaphysische Erscheinungen und die Reflektion über unsere Realitätswahrnehmung. In kräftigen Farben malt der Künstler fließende Formen, die zum Teil in Schlieren verlaufen, als ob sich das Dargestellte in Zeitlupe abspielte. Manche seiner figürlichen Darstellungen erwecken den Eindruck die Szene einer Handlung zu sein, so dass der dargestellte Moment nicht isoliert für sich steht, sondern Teil einer Geschichte wird. Dieser Eindruck wirft die Frage nach dem Vorher und dem Nachher der Szenerie auf – die Dimension der Zeit wird plötzlich auf dem zweidimensionalen Medium eines Bildes sichtbar.

Kopackas abstrakte Bilder besitzen eine starke Leuchtkraft. Im Dargestellten scheinen andere physikalische Gesetzmäßigkeiten zu gelten: Dinge schweben, undefinierbare Objekte verleiten zur freien Assoziation, so dass man auch im Abstrakten vertraute Formen zu erkennen glaubt. Die Bilder erinnern an Zustände des Halbschlafes oder des Traumes, in denen sich Raum, Zeit und Bewegungsabläufe verändern und auf subtile Weise eine beunruhigende Wirkung entfalten.

Denselben Effekt erzielen auch Kopackas Videoarbeiten. Eine Videoreihe mit dem Titel „Insomnia“ zeigt über einen längeren Zeitraum eine einzelne Einstellung; den Blick aus einem Fenster im Moment des Sonnenaufgangs. Während die Lichtsituation sich in einem solchen Fall jede Minute ändern würde, scheint in dem Video zunächst nichts zu passieren. Ein Zeitstillstand. Doch durch subtile Kleinigkeiten, die sich im Laufe der Arbeit langsam verändern bekommt der Betrachter unbewusst das Gefühl „dass hier etwas nicht stimmt“. Der Künstler zielt bewusst auf diese Wirkung ab. Er versucht eine Realität zum Ausdruck zu bringen, die man nie wirklich sehen, sondern höchstens anderweitig erfahren kann.

kevinkopacka.com