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Der Ursprung des künstlerischen Schaffens von Kevin Gray (*1982) liegt in der Graffitibewegung. Mit 16 Jahren begann er, sich gegen Konventionen wie Konsumverhalten und Besitzansprüche aufzulehnen und mit Fragen nach der Rolle des Bürgers auseinanderzusetzen. Im Laufe seines Studiums der Malerei an der Kunsthochschule Weissensee, blieb dieser politische Ansatz in seinen Arbeiten erhalten, jedoch traten neue Aspekte hinzu, die auch ein anderes Verstehen seiner Bilder zulassen.

Monochrome Farbflächen sind einem komplexen Bildaufbau und einem diffenrenzierten Spiel aus Licht und Schatten gewichen. Gray arbeitet mit Öl- und Sprühfarbe und der Collage-Technik und erschafft Bildwelten in denen Raum für das Unbestimmte und Geheimnisvolle gelassen wird.

In seinen jüngsten Arbeiten treten Bildmotive in Erscheinung, die bereits in früheren Werken präsent waren und weiterentwickelt wurden, ebenso wie Motive, die gänzlich neu für das Œuvre des Künstlers sind. In der Serie “Jasmin- Bilder” etwa führt der Künstler seine Auseinandersetzung mit dem Motiv der Jasmin-Blüte fort. Eingebettet in einen architektonischen Rahmen sind auf diesen Bildern Personen zu sehen, deren Kopf als Jasmin-Blüte dargestellt ist. Mal treten die Jasmin-Menschen einander in Zweiergruppen zaghaft gegenüber, mal stehen sie beinahe anklagend als große Gruppe versammelt vor dem Betrachter.

Mit der Wahl der Jasminblüte hat sich Gray für die Verbildlichung eines Symbols entschieden, das Anfang 2011 von den Demonstranten in Tunesien als Code-Wort verwendet wurde, um gemeinsam gegen die Diktatur Ben Alis zu protestieren und welches später von anderen Demonstranten der Arabischen Revolution übernommen wurde. Der Zartheit der Jasmin-Menschen bei Kevin Gray steht die brutale Realität der politischen Umwälzungen des Arabischen Frühlings gegenüber.

Andere bereits bekannte Bildmotive sind das “Mohnfeld” und eine Landschaft, die aus zahllosen Brücken (“Brückenland”) zu bestehen scheint. Wie bei den Jasmin-Menschen, täuscht auch in diesen Bildern der erste Eindruck. Was zunächst wie eine harmlose Blumenwiese im Sonnenlicht und eine harmonische Landschaft aus Inseln, die mit Brücken verbunden sind erscheint, entfaltet bei genauerer Betrachtung eine bedrohliche Wirkung: Mohn kann zur Herstellung von Opium genutzt werden und am Horizont der Brückenlandschaft türmen sich gewaltige Wolken auf, die an die Wolkengebilde der Atombomben erinnern.

In Kevin Grays Bildern treten sich oftmals Zartheit und harte Realität gegenüber. Was auf den ersten Blick harmlos erscheint, beinhaltet oft noch eine weitere Dimension, die zu entschlüsseln zur Aufgabe des Betrachters wird. Eine eindeutige und endgültige Lesart der Bilder gibt es jedoch nicht. Stattdessen geht es dem Maler darum, auf das was sich “zwischen den Zeilen” befinden könnte, hinzuweisen und dennoch das Geheimnisvolle und Uneindeutige der Bilder zu bewahren.

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